WORUM GEHT ES – WESHALB GEHEN WIR IN 2026 ERNEUT AUF DIE STRAßE?
Deutschland ist flächendeckend gut bestückt mit Denk- und Mahnmalen, mit Statuen, Monumenten und Gedenkstätten, die an Männer erinnern. Vorwiegend an Männer, die Menschen getötet haben.
Für Frauen, die von Männern getötet wurden, gibt es nahezu keine Erinnerungsplätze. Dabei sind der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamtes zufolge jedes Jahr weit mehr als 300 Femizide in Deutschland belegt.
WARUM IST UNSER ÖFFENTLICHER PROTEST AUCH IN 2026 SO WICHTIG?
Die Bundespolitik ignoriert deutsche Femizide weiterhin auf so vielen Ebenen:
- Zunehmend mehr Mädchen und Frauen werden in aller Öffentlichkeit exekutiert.
ABER:
Das Bundesministerium für Inneres und Heimat unter Alexander Dobrindt reagiert mit seinen „Sicherheitsversprechen“ überhaupt nicht auf dieses Risiko der Inneren Sicherheit. - Das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Häusliche Gewalt ist in Deutschland seit dem 1. Februar 2018 rechtsbindend.
ABER:
Auch die amtierende Regierung setzt die Istanbul-Konvention mit dem Kernauftrag der Prävention nicht um. Alle Maßnahmen, die die Bundesregierung anführt, greifen erst nach einer Gewalterfahrung – bis heute wurde nicht einmal eine ressortübergreifende Defintion zur Vokabel „Femizid“ ausgearbeitet. - Das im Januar 2025 verabschiedete Bundeshilfegesetz wird national als „Meilenstein“ gefeiert.
ABER:
Es ermöglicht betroffenen Mädchen und Frauen ihren Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung erst ab 2032 geltend zu machen. Nach aktueller Datenlage (PKS) bedeutet das weitere, gebilligte 1.500 Femizide in Deutschland – wohlwollend gerechnet. - Fehlende Gleichstellung wird als Ursache für Gewalt gegen Frauen benannt, sowohl in der Präambel der Istanbul-Konvention als auch im Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes. Ein Gesetz der Europäischen Union soll Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern durch neue Transparenzvorschriften bekämpfen.
ABER:
Bundesfrauenministerin Karin Prien verschleppte das Europäische Entgelttransparenzgesetz aktiv und überführte es nicht fristgerecht zum 1. Juni 2026 in nationales Recht, so dass geschlechtsspezifische Lohnungleichheit weiter konsequenzfrei praktiziert werden kann. - Der bundesweite Einsatz der Elektronischen Aufenthaltsüberwachung (Fußfessel) ist ein evidenzbasiertes Schutzinstrument für gewaltbetroffene Mädchen und Frauen und hätte im April 2027 endlich auch in Deutschland zum Einsatz kommen sollen.
ABER:
Weil der Bundespräsident das Gesetz zu spät unterschrieb, tritt es, mit einer Verzögerung von weiteren drei Monaten, erst zum 1. Juli 2027 in Kraft. - Alle genannten Ministerinnen und Minister haben einen Eid auf unsere Verfassung geschworen.
ABER:
Sie alle, Bundeskanzler Friedrich Merz eingeschlossen, verweigern uns das Grundrecht auf „Leben und körperliche Unversehrtheit“ (GG Art. 2 (2)). - In der Theorie sind Mädchen und Frauen in Deutschland vor Gewalt geschützt, auf nationaler Ebene per Grundgesetz (Artikel 2), auf europäischer Ebene über die Istanbul-Konvention und auf internationalem Niveau durch das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW).
ABER:
Im realen Leben sind sie kontinuierlich den männlichen Attacken bzw. deren tödlichen Gewaltexzessen ausgesetzt, ungeschützt. - In der Wissenschaft sind Aktualität und Objektivität etablierte Mindest-Standards. Weltweit!
ABER:
Mit seiner „empirisch fundierten Studie FemiziDE“ beleuchtete Studienleiter Prof. Dr. Jörg Kinzig, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, ausschließlich Daten aus dem Jahr 2017. In Ermangelung einer ressortübergreifenden Definition zu „Femizid“ in Deutschland, definierte er den Betriff eigenmächtig (ergo subjektiv) und reduzierte die Grundgesamtheit seiner zu untersuchenden Fälle um mehr als die Hälfte auf 127 Tötungsdelikte. Auf diese Weise minimierte er die eklatanten Menschenrechtsverletzungen gegen Mädchen und Frauen aktiv. Seine Kernaussagen sind nicht einmal repräsentativ, dennoch gilt er als „Experte“. - Das Bundeskriminalamt unter Leitung von Holger Münch verantwortet die Federführung zur Dunkelfeldstudie „LeSuBia“.
ABER:
Dieser „wissenschaftlichen“ Analyse zufolge sind nahezu gleich viele Männer wie Frauen von Partnerschaftsgewalt betroffen. Dabei ist das zugrunde liegende Studiendesign absolut realitätsverfälschend: Das Gewaltverständnis sei breit angelegt und gehe über den strafrechtlichen Gewaltbegriff hinaus, erfasse „teilweise auch nicht strafbewehrte Formen von (psychischer, digitaler und sexualisierter) Gewalt.“ Ghosting mit Femiziden gleichzusetzen, entspricht dem Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Mit derartigen, pseudowissenschaftlichen Aussagen wird die strukturelle, geschlechtsspezifisch gegen Mädchen und Frauen gerichtetete Gewalt verharmlost.
Unsere amtierende Bundesregierung tut deutlich zu wenig, um Femizide in Deutschland zu verhindern.
Wir nehmen das nicht hin.
Ihr schuldet uns Schutz.
Ihr verunglimpft den Rechtsstaat.
Ihr riskiert unsere Leben.
WIE LAUTEN UNSERE FORDERUNGEN?
Es fehlt auf allen Ebenen an wirkmächtigen Korrektiven.
- Wir fordern die von GREVIO angemahnte, nationale Strategie zur Gewaltprävention.
- Wir fordern die Bereitstellung adäquater Etats, um präventiven Gewaltschutz zu sichern.
- Wir fordern ausreichende Schutzangebote und Schutzräume, bundesweit.
- Wir fordern bundesweite Gedenkmomente und -stätten.
- Wir fordern unabhängige Forschung sowie die Bereitstellung der erforderlichen Mittel.
- Wir fordern ein nationales Intensivieren staatlicher Gleichstellungsanstrengungen für Frauen.
- Wir fordern Trainings für Exekutive, Legislative und Jurisdiktion.
- Wir fordern den unterstützenden Schulterschluss der Bereiche Gesundheit, Wissenschaft, Wirtschaft und Bildung.
Wir fordern unser Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit auch dieses Jahr wieder deutlich sichtbar ein.
WANN – WAS – WO – WIE?
Sei auch Du dabei, am 15. November 2026.
Sei Teil unserer dritten, offiziell angemeldeten Demo in Berlin: FRAUEN.TRAUER.TAG.
Wichtig: Zur Planung bitte unbedingt anmelden unter femizidaktion@gmail.com.
Um 11:00 Uhr starten wir am Brandenburger Tor, ab Pariser Platz.
Wir freuen uns sehr auf Dich und Deinen Support – topless ist dabei absolut freiwillig.
Im Zuge der Genehmigung für die Demonstration haben wir folgende Vorgabe bekommen, die zwingend einzuhalten ist: Wir dürfen weder skandieren oder rufen, noch schreien, denn der Tag ist ein stiller Gedenktag. Stattdessen werden wir mit unseren Accessoires und Transparenten, deren Botschaft unmissverständlich ist, wieder unübersehbar sein.
Biologische Männer, die unseren Kampf gegen Gewalt gegen Frauen unterstützen möchten, sind ebenfalls willkommen. Wir freuen uns, wenn sie unseren Zug ab 11:00 Uhr begleiten: Bitte unbedingt hinter dem weiblichen Hauptfeld.
Wir werden Betroffene und Überlebende im Zug dabeihaben.
Um ihnen allen einen sicheren Raum zu geben und jedwede weitere Viktimisierung nach bestem Wissen von Beginn an auszuschließen, werden wir die Polizei um sofortiges Eingreifen bitten, sofern versucht wird, unseren Marsch für andere Themen umzunutzen.
DAS GILT INSBESONDERE FÜR ÜBERGRIFFIGE INSTRUMENTALISIERUNG DURCH REPRÄSENTIERENDE EINZELNER PARTEIEN ODER ANDERE INTERESSENSGRUPPEN: WIR SIND NICHT EUER MARKETINGTOOL!
Wir distanzieren uns von jedweder Kontextualisierung mit rechten Thesen. Ebenso von dem whataboutism, mit dem regelmäßig versucht wird, männliche Gewaltexzesse allein im Ausland und darüber den lange überfälligen Handlungsbedarf weit außerhalb von Deutschland zu verorten.